Krafttraining in den Wechseljahren: wie oft, welche Übungen und wie du startest

Gerade in den Wechseljahren ist Krafttraining ein wichtiger Baustein, um Muskelkraft, Belastbarkeit und langfristige Gesundheit zu unterstützen. Dafür brauchst du weder stundenlange Workouts noch spezielle „Wechseljahres-Übungen“. Hier erfährst du, wie oft du trainieren solltest, welche Grundübungen sinnvoll sind und wie du strukturiert einsteigst.

Krafttraining in den Wechseljahren

Vielleicht kennst du das: Du machst eigentlich alles wie immer, aber dein Körper reagiert anders als früher. Die Kraft lässt schneller nach, die Erholung dauert länger, und irgendwo zwischen Job, Familie und allem anderen fragst du dich, ob du jetzt wirklich noch mit Krafttraining anfangen sollst.

Die Antwort ist: Ja. Gerade jetzt. Und der Einstieg ist deutlich machbarer, als du vielleicht denkst.

Was sich in den Wechseljahren ändert

In den Wechseljahren verändert sich dein Hormonhaushalt schrittweise. Der sinkende Östrogenspiegel beeinflusst unter anderem Muskulatur und Muskelkraft, Knochenstoffwechsel, Körperzusammensetzung und das Herz-Kreislauf-System. Gleichzeitig wirken altersbedingte Veränderungen weiter. Viele Frauen merken das zuerst im Alltag: Die Einkaufstasche fühlt sich schwerer an, und das Aufstehen aus der Hocke ist nicht mehr selbstverständlich.

Wichtig zu wissen: Muskelmasse und Muskelkraft entwickeln sich nicht im Gleichschritt. Studien zum altersbedingten Muskelabbau zeigen, dass Muskelkraft teilweise stärker abnimmt als die reine Muskelmasse. Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf Gewicht oder Muskelumfang zu schauen, sondern Kraft gezielt zu trainieren.

Wie oft du Krafttraining machen solltest

Eine große Übersichtsarbeit im British Journal of Sports Medicine hat 2022 die Daten aus 16 Langzeitstudien zusammengeführt. Muskelkräftigendes Training war mit einem 10 bis 17 Prozent geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und einen vorzeitigen Tod verbunden. Besonders günstige Zusammenhänge zeigten sich bereits bei etwa 30 bis 60 Minuten pro Woche.

Du liest richtig: pro Woche, nicht pro Tag. Gerade für den Einstieg zeigt das: Auch relativ kleine Trainingsumfänge können bereits gesundheitlich sinnvoll sein. Du musst also nicht stundenlang trainieren, um von Krafttraining zu profitieren.

Wenn du Kraft und Muskulatur aber gezielt und langfristig verbessern möchtest, braucht es mit der Zeit etwas mehr Struktur. Als gute Basis gelten etwa zwei bis drei Krafttrainingseinheiten pro Woche, in denen die großen Muskelgruppen trainiert werden. Entscheidend ist nicht nur die Dauer, sondern auch, dass die Übungen ausreichend fordernd sind und die Belastung mit der Zeit gesteigert wird.

Aus sportwissenschaftlicher Sicht gilt: Entscheidend ist nicht, möglichst viel zu trainieren, sondern einen ausreichenden Reiz zu setzen und diesen langfristig sinnvoll zu steigern. 

Womit du anfängst: die Grundbewegungen

Du brauchst für den Einstieg kein Studio und keine komplizierten Geräte. Und du brauchst auch keine speziellen „Wechseljahres-Übungen“. Entscheidend sind grundlegende Bewegungsmuster, die du technisch sauber ausführst und mit der Zeit steigerst.

Wenn du neu mit Krafttraining beginnst, solltest du die grundlegenden Bewegungen zunächst kontrolliert lernen. Wichtig ist, dass du die Übung sicher ausführen kannst, ein Gefühl dafür entwickelst, welche Muskeln arbeiten, und die Belastung passend einschätzen kannst. Folgende Grundbewegungen eignen sich für den Start:

  • Kniebeugen:
    die wichtigste Übung für Beine, Po und Alltag. Anfangs reicht das eigene
    Körpergewicht, später kommen Kurzhanteln dazu.
  • Hüftstreckung:
    zum Beispiel Hüftheben in Rückenlage. Trainiert vor allem die hintere
    Muskelkette. Anfangs mit beiden Beinen auf dem Boden, später einbeinig
    oder mit Zusatzgewicht.
  • Drücken:
    Liegestütze in der Variante, die heute sauber geht, an der Wand, erhöht
    oder später auf den Knien am Boden.
  • Ziehen:
    Rudern mit einem Fitnessband oder Kurzhanteln, um oberen Rücken und
    Schultern zu kräftigen – besonders als Ausgleich zum vielen Sitzen und für
    eine aufrechte Körperhaltung.
  • Tragen:
    Gewicht aufnehmen und eine Strecke tragen. Klingt banal, trainiert aber
    Rumpf, Griffkraft und Haltung in einem.
Aus diesen fünf Mustern lässt sich eine einfache Ganzkörpereinheit bauen: Als Orientierung kannst du mit zwei bis drei Sätzen pro Übung und kurzen Pausen zwischen den Übungen starten. Für viele Einsteigerinnen sind etwa acht bis zwölf kontrollierte Wiederholungen eine praktische Orientierung. Gegen Ende des Satzes sollte die Übung bei sauberer Technik zunehmend fordernd werden.
Wird eine Übung nach einigen Wochen deutlich leichter, steigerst du beim nächsten Mal etwas. Diese schrittweise Steigerung nennt man Progression – sie ist wichtig, damit dein Training langfristig wirksam bleibt und du weitere Fortschritte machen kannst.
 

So könnte deine erste Woche aussehen:

  • Dienstag, 25 Minuten: Kniebeugen, Wandliegestütze, Rudern mit Band, Hüftheben in Rückenlage. Drei Runden, dazwischen so viel Pause, wie du brauchst.
  • Freitag, 25 Minuten: dieselben Übungen, plus zwei Mal eine Minute Tragen mit zwei gefüllten Wasserflaschen oder Kurzhanteln.
  • Der Rest der Woche: Bewegung im Alltag, ganz bewusst. Treppe statt Aufzug, die Kiste selbst tragen, zügig gehen.

Nach zwei bis drei Wochen kannst du – wenn die Übungen deutlich leichter fallen – die Wandliegestütze gegen eine schwerere Variante tauschen, etwas mehr Gewicht nehmen oder eine Runde ergänzen. Nicht alles auf einmal, immer nur eine Stellschraube. So entsteht ein roter Faden, der aus einzelnen Einheiten ein strukturiertes Training macht.

Ernährung als Trainingspartner

Ein Punkt, der in den Wechseljahren gern untergeht: Muskeln brauchen Baumaterial – und das liefert vor allem Eiweiß. Wer trainiert, aber dauerhaft zu wenig Protein isst, bremst die eigenen Fortschritte aus, ungefähr so, als würde man ein Haus bauen und die Ziegellieferung vergessen.

Praktisch heißt das: eine Eiweißquelle zu jeder Mahlzeit einbauen, zum Beispiel Quark, Skyr oder Joghurt, Eier, Hülsenfrüchte, Tofu, Fisch oder mageres Fleisch.

Es geht also nicht um Eiweißshakes und Pulverberge, sondern darum, eiweißreiche Lebensmittel bewusst und regelmäßig über den Tag einzuplanen. Eiweiß ist dabei ein wichtiger Baustein – daneben bleibt eine insgesamt ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit die Basis.

Zusammen mit einer ausreichenden Energiezufuhr und guter Erholung – vor allem ausreichend Schlaf – kann dein Körper die Trainingsreize besser verarbeiten. 

Typische Fehler am Anfang

Zu viel auf einmal. Wer nach Jahren Pause mit fünf Einheiten pro Woche startet, hält selten vier Wochen durch. Auch Muskeln, Sehnen und Gelenke müssen sich erholen und schrittweise an neue Belastungen gewöhnen. Klein anfangen, langsam steigern.

Nur Ausdauer, keine Kraft. Walken und Radfahren sind wertvoll, ersetzen aber keinen gezielten Reiz für die Muskulatur. Für Muskelkraft braucht es Widerstand.

Beliebige Übungen statt System. Heute ein Video, morgen ein anderes: Da baut nichts aufeinander auf. Übungsauswahl, Technik, Intensität und Steigerung gehören bewusst gesteuert. So entsteht kein beliebiges Workout, sondern ein strukturiertes Training, das Kraft und Belastbarkeit Schritt für Schritt aufbaut.

Erholung übergehen. Die Anpassung an dein Training findet vor Allem in der Erholungsphase statt. Ein Tag Abstand zwischen den Krafteinheiten ist kein Rückschritt, sondern Teil des Plans.

Aus meiner Erfahrung im Training: Gerade Anfängerinnen profitieren häufig davon, zunächst wenige Übungen sicher zu lernen und diese über mehrere Wochen beizubehalten, statt ständig neue Workouts auszuprobieren. 

So sieht ein realistischer Einstieg aus

Für die Umsetzung im Alltag hilft ein einfacher Rahmen: zwei feste Termine pro Woche, im Kalender wie jeder andere Termin auch. Wenn du gern eine zusätzliche Struktur an der Hand hast, kannst du dir von einer Coaching-App wie huuman einen Plan erstellen lassen, der Training und Erholung in deinen Alltag einbaut und die Übungen anpasst, sobald du stärker wirst.

Wenn du ganz neu mit Krafttraining startest, ist es sinnvoll, die grundlegenden Übungen zunächst unter qualifizierter Anleitung zu lernen.

Genau hier setzt mein Präventionskurs „Fit durch die Wechseljahre“ an, der nach § 20 SGB V bezuschussbar durch die gesetzlichen Krankenkassen ist: Du lernst die wichtigsten Grundübungen, eine saubere Ausführung und wie du die Belastung sinnvoll steigerst. Wenn du lieber individuell begleitet starten möchtest, gibt es außerdem mein Menopause-Coaching.

Woran du merkst, dass es wirkt

Fortschritt zeigt sich nicht nur optisch. Achte in den ersten acht bis zwölf Wochen auf Zeichen wie diese:

  • Die Einkaufstaschen fühlen sich leichter an, obwohl gleich viel drin ist.
  • Die Treppe ist wieder selbstverständlich, kein Ereignis.
  • Du stehst ohne Schwung und ohne Abstützen vom Boden auf.
  • Die Übungen, die dich am Anfang gefordert haben, fallen dir heute deutlich leichter.
  • Und was viele zusätzlich merken: Sie schlafen besser und fühlen sich im Alltag stabiler.

Miss deinen Fortschritt an solchen Dingen, nicht am Spiegel und nicht an einer Zahl auf der Waage. Ein kurzes Trainingstagebuch hilft dabei: Übung, Gewicht, Wiederholungen, drei Zeilen pro Einheit. Nach drei Monaten liest du es und siehst schwarz auf weiß, was sich getan hat. Und wenn eine Woche komplett ausfällt, streichst du sie und machst einfach weiter, nachgeholt wird nichts.

Häufige Fragen

Bin ich zu alt, um anzufangen? Nein. Auch bei postmenopausalen und älteren Frauen verbessert Krafttraining nachweislich Kraft und Körperzusammensetzung. Entscheidend ist ein Einstieg, der zu deinem aktuellen Trainingsstand passt und schrittweise gesteigert wird.

Werde ich davon breite Muskeln bekommen? In der Regel nicht. Frauen bauen aufgrund ihrer hormonellen Voraussetzungen deutlich langsamer große Muskelmengen auf als Männer. Krafttraining macht dich vor allem stärker und hilft dir, Muskulatur zu erhalten oder gezielt aufzubauen.

Was, wenn ich Gelenkprobleme habe? Dann ist die Übungsauswahl umso wichtiger. Viele Übungen lassen sich an deine Beweglichkeit und aktuelle Belastbarkeit anpassen. Im Zweifel: ärztlich abklären lassen und angeleitet starten.

Krafttraining oder Ausdauer, was ist wichtiger? Beides erfüllt unterschiedliche Aufgaben. Krafttraining setzt gezielte Reize für Muskulatur und Knochen, Ausdauertraining stärkt vor allem Herz-Kreislauf-System und Ausdauerleistungsfähigkeit. Für die Gesundheit ist deshalb eine Kombination sinnvoll.

Wie lange dauert es, bis ich etwas merke? Die ersten Kraftzuwächse kommen erstaunlich schnell, oft schon nach wenigen Wochen, weil dein Nervensystem die vorhandene Muskulatur besser ansteuert. Sichtbare Veränderungen brauchen länger. Gib dir drei Monate mit zwei Einheiten pro Woche, bevor du urteilst.

Quellen & Literatur

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische oder therapeutische Beratung. Trainingsempfehlungen sollten immer an den eigenen Gesundheitszustand, mögliche Beschwerden und die individuellen Voraussetzungen angepasst werden.

zertifizierte BGM-Beraterin und Firmenfitness-Trainerin für KMU
ÜBER DIE AUTORIN

Nicola John

B.Sc. Sportwissenschaften · Personal Trainerin · Präventionskursleiterin

Als Sportwissenschaftlerin verbinde ich wissenschaftliche Erkenntnisse mit meiner praktischen Erfahrung aus Personal Training, Präventionskursen und sportlicher Praxis. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf Frauengesundheit – von postnatalem Training bis zu Bewegung und Krafttraining in den Wechseljahren – sowie auf gesundheitsorientiertem Training und langfristiger körperlicher Leistungsfähigkeit. Mein Ziel ist es, komplexe Themen wissenschaftlich fundiert einzuordnen und daraus verständliche, alltagstaugliche Empfehlungen abzuleiten.

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